Marita Ruiter: War die Idee eines interaktiven Konzepts von Anfang an da, oder hat es sich mit dem Bild entwickelt?
Roland Schauls: Bei jedem meiner vielen Florenz-Aufenthalte besuchte ich die Selbstporträtsammlung im Vasari-Korridor der Uffizien. Mich störte, dass von den weit über 1000 Selbstporträts der Sammlung immer nur die eigentlich bekannten Künstler ausgestellt waren. Mich interessierten aber vorwiegend die nicht gezeigten, und die Ursache für diese Missachtung. Als der Vasari-Korridor dann jahrelang wegen Restaurierungsarbeiten nicht mehr zugänglich war, beschloss ich, einen „eigenen Korridor“ anzulegen und - ausgehend von dem Sammlungskatalog der Uffizien - , die Ursachen für diese Nichtbeachtung malerisch und zeichnerisch zu erforschen. So wollte ich durch die willkürliche Nebeneinanderstellung einer zufälligen Auswahl, alle auf das gleiche Leinwandformat von
50 x 40 cm normiert, einen unmittelbaren Vergleich ermöglichen.
Marita Ruiter: Auffällig in Ihrer Zusammenstellung ist das Fehlen jeglicher Frauenbildnisse?
Roland Schauls: Ja stimmt tatsächlich, und das ist auch eine der meistgestellten Fragen, aber in der originalen Sammlung sind wirklich nur sehr wenige Künstlerinnen vertreten, und ich wollte diese bedauerliche, aber kulturell bedingte Tatsache nicht durch Einfügen einiger „Alibifrauen“ verschleiern und verharmlosen.
Marita Ruiter: Wie lange haben Sie an diesem Projekt gearbeitet?
Roland Schauls: Die rein zeichnerische Arbeit hat mit Unterbrechungen 3 Jahre in Anspruch ge-nommen. Darüber hinaus war das Zusammenstellen der zweiundvierzig 12er-Blocks sehr aufwendig, da ich mir verschiedene Hängemöglichkeiten offen lassen wollte. Die Arbeit an dem Konzept ist heute noch nicht abgeschlossen. Ich will den zukünftigen Sammlern und Gesellschaftern Mit-sprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten einräumen.
Marita Ruiter: Was bedeuten die auffälligen wachs- ähnlichen, bräunlichen Schichten auf dem Gemälde?
Roland Schauls: Von den ursprünglichen 800 Porträts, die ich gemalt habe, sind durch den nicht steuerbaren Auftrag einer dicken, im Moment des Auftragens undurchsichtigen Acryl-Schicht, ungefähr 200 Bilder zerstört worden. Die bräunlichen Krusten sind die sichtbaren eingetrockneten Reste dieses Eingriffes, mit dem ich quasi im Zeitraffer die Gefährdung und zufällige Vernichtungvon vielen Kunstwerken im Laufe ihrer Geschichte versinnbildlichen wollte. Ein Aspekt ist nämlich das virtuelle Auslöschen eines Werks durch das von Sennet beschriebene bewusste Ignorieren, der andere Aspekt ist die wirkliche physische Zerstörung durch schicksalhafte Zufälle.
Marita Ruiter: Nach welchen Kriterien haben Sie aus den weit über 1000 Selbstporträts der Sammlung der Uffizien ausgewählt?
Roland Schauls: Im Sinne des vorher Gesagten habe ich auch hier das Zufallsprinzip walten lassen. Wichtig war, dass es viele waren, um einmal den An-Sammlungscharakter zu verdeutlichen und durch die schiere Anzahl den individuellen Anspruch auf Einzigartigkeit, den ja jeder dieser Künstler vermitteln wollte, zu hinterfragen. Darüber hinaus hebt das unkommentierte Nebeneinanderstellen die gängigen hierarchischen Wertungsstrukturen üblicher kunstgeschichtlicher Kategorisierungen auf. Zusätzlich besteht so die Möglichkeit einer vorurteilsfreien Neubewertung durch den Betrachter. Gelegentlich habe ich mir stilistische Spielereien erlaubt, was insbesondere Kunstgeschichtler irritiert, die gewöhnt sind, die tradierten Wölflin’schen Datierungskategorien anzulegen.
Marita Ruiter: Eigentlich ein Jahrmarkt der Eitelkeiten…
Roland Schauls: Ja, und ich war unbescheiden genug, mich selbst zwischen die Reihen meiner Malerkollegen hineinzuschmuggeln. Davon abgesehen, ist die Synthese dieser vielen Porträts doch auch eine Art von gigantischem Selbstporträt, oder die Essenz der Bildgattung Selbstporträt, das Selbstporträt an sich.
Marita Ruiter: Ist dieses Werk repräsentativ für Ihre übrige künstlerische Arbeit?
Roland Schauls: Auf gewisse Weise schon. Meine gesamte künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit kunstgeschichtlichen Ausdrucksformen: wann wurde was wie und mit welcher Intention gemacht? — im weitesten Sinne mit sich laufend verändernden wahrnehmungs-psychologischen Aspekten zweidimensionaler Bildgestaltung. Die „portrait society“ unterscheidet sich davon einmal durch die Dimension, den rezeptionsgeschichtlichen Aspekt, und auch durch den konzeptionellen Schwerpunkt. So ist es zum Beispiel möglich auf der Homepage www.galerie-clairefontaine.lu/portraitsociety/ Leben und Werk der abgebildeten Künstler zu entdecken. Auch die Tatsache, daß ein Teil des Erlöses der a.s.b.l. „the portrait society“, ein anderer Teil der „Fondation du Grand-Duc Henri et de la Grande-Duchesse Maria Teresa“ zukommt, erweitert die gesellschaftspolitische Einbindung des Werkes.
Marita Ruiter: Das Bild hat in der Agora der Abtei Neumünster einen idealen Ausstellungsort gefunden, sowohl was die Ausmaße des Oeuvres als auch die Bestimmung des CCRN anbelangt …
Roland Schauls: Stimmt. Auf dem Bild begegnen sich Künstler europäischer und außereuropäischer Länder, wodurch es natürlich die Bestimmung der CCRN als Ort internationalen kulturellen Austauschs ideal repräsentiert. Für die nächsten Jahre wird es erstmal mit Unterbrechungen dort bleiben. Es ist vorgesehen, das Werk auf Reisen zu schicken und in anderen Ländern zu zeigen. In Madrid und in Lissabon wurde es bereits ausgestellt, allerdings in anderer Konfiguration. Durch die Verteilung der Bilder auf 42 Einheiten von je 12 Bildern bieten sich viele verschiedene Kombinationsmöglichkeiten an. In Lissabon z.B. haben wir es auf dem Boden ausgelegt und man konnte es von einer umlaufenden Empore aus von allen Seiten betrachten oder auch unmittelbar darum herum gehen.
Dr. Marita Ruiter ist Galeristin und Herausgeberin dieser Publikation
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Marita Ruiter: Was the idea of an interactive concept there from the beginning, or did it evolve with the picture?
Roland Schauls: During each of my many trips to Florence, I visited the collection of self-portraits in the Vasari corridor of the Uffizi. It bothered me that out of a collection of well over 1000 self-portraits, only the better-known artists were displayed. I was far more interested in those that were not being shown, and the reason for their neglect. The Vasari corridor was closed for several years for renovation work, and during this time I decided to set up my own „corridor” and – taking my lead from the Uffizi collection catalogue – discover, through painting and drawing, more about the reason for this lack of attention. My aim was to enable a direct comparison to be made by hanging the paintings next to each other in an arbitrary fashion, all on the same standardized canvas format of
50 x 40 cm.
Marita Ruiter: One thing that stands out in your arrangement is the lack of any female portraits.
Roland Schauls: Yes, that is true, and it is one of the most frequently-asked questions, but there are, in fact, very few female artists represented in the original collection, and I did not want to either conceal or play down this regrettable but culturally-influenced fact by introducing any „token women”.
Marita Ruiter: How long did you work on the project?
Roland Schauls: The drawing work alone took 3 years, with interruptions. Then there was the elaborate business of putting together the forty-two blocks of 12, because I wanted to leave open different hanging options. Work on the concept is still continuing today. I want to allow future collectors and partners to have a say in it and help to organize it.
Marita Ruiter: What is the significance of the striking, wax-like brown layers over the picture?
Roland Schauls: Of the 800 portraits that I painted originally, about 200 were damaged by the application of a thick layer of acrylic, which was opaque when applied and so difficult to control. The brownish incrustations are the visible, dried remains of this process, by which I intended to symbolize, using something like time-lapse photography, the danger and random destruction facing many works of art throughout their existence. One aspect is the virtual obliteration of a piece of work by consciously ignoring it, as described by Sennet, and the other aspect is actual physical destruction through the vagaries of fate.
Marita Ruiter: What criteria did you use to select paintings from the 1000 or more self-portraits at the Uffizi?
Roland Schauls: As I indicated before, I allowed the principle of random selection to prevail. What mattered was that there should be a great many of them, in order to show clearly the aspect of accumulation, and, through sheer volume, to analyse the individual desire for uniqueness which each of these artists surely wanted to convey. In addition, the unexplained proximities cancel out the usual hierarchical evaluation structures of normal art history categories. This also gives the viewer the opportunity to re-evaluate the object without any preconceptions. Occasionally, I have had fun playing with styles, which has confused some art historians, in particular, who are used to applying the norms bequeathed by Wölflin for dating paintings.
Marita Ruiter: Which is really just Vanity Fair…
Roland Schauls: Right. And I even had the nerve to smuggle myself in amongst the rows of my artist colleagues. Apart from that, the synthesis of all these portraits is just a kind of gigantic self-portrait, or the essence of the genre of painting called self-portrait, or self-portraiture itself.
Marita Ruiter: Is this work representative of the rest of your artistic output?
Roland Schauls: In a certain sense, yes. All my work as an artist is concerned with forms of expression related to art history: when and how was something created and with what intention? – in the broadest sense, with constantly changing perceptual-psychological aspects of two-dimensional painting. „the portrait society” differs from this in its dimension, its historical reception aspect and also in its conceptual focus. Also, the fact that part of the proceeds of the project are for the benefit of the non-profit making association „the portrait society“, another part for the benefit of the „Fondation du Grand-Duc Henri et de la Grande-Duchesse Maria Teresa“ enhance its socio-political dimension.
Marita Ruiter: The picture has found an ideal exhibition space in the Agora of Neumünster Abbey, as regards the scale of the work as much as the requirements of CCRN…
Roland Schauls: That is true. Artists from European and non-European countries meet in the picture, which makes it an ideal representation of the CCRN as a place of international cultural exchange. It will stay there for the next few years, with some breaks. The plan is to send the work on its travels and to show it in other countries. It has already been exhibited in Madrid and Lisbon, but in a different configuration. By dividing the paintings into 42 units of 12 pictures each, there are numerous possible combinations available. In Lisbon, for example, we placed it on the floor, and you could either see it from all sides from a gallery or walk right round next to it.
Dr. Marita Ruiter is a galerist and editor of this book
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Marita Ruiter: L’idée d’un concept interactif était-elle présente dès le début ou s’est-elle développée avec le tableau?
Roland Schauls: Lors de chacun de mes séjours à Florence je visitais la collection des autoportraits du corridor Vasari des Offices. Cela me gênait que des plus de 1000 autoportraits de la collection, seuls ceux des artistes connus étaient exposés. J’étais essentiellement intéressé par les œuvres non exposées ainsi que par les raisons de ce dédain. Lorsque le corridor Vasari n’était plus accessible durant plusieurs années à cause de travaux de restauration, j’ai décidé de créer mon propre corridor et – en partant du catalogue des Offices – d’analyser par le biais de la peinture et du dessin les raisons pour ce manque d’intérêt. Ainsi, grâce à la juxtaposition arbitraire d’une sélection aléatoire sur le même format standard de toile de 50 x 40 cm, je voulais permettre une comparaison immédiate.
Marita Ruiter: Il est frappant que votre composition ne comporte aucun autoportrait de femme.
Roland Schauls: Oui, cela est tout à fait correct et c’est d’ailleurs une des questions les plus fréquemment posées. La collection originale ne compte que très peu d’artistes féminins, et je ne souhaitais ni dissimuler, ni innocenter cet état de choses regrettable, mais culturellement déterminé, par l’insertion de quelques femmes servant d’alibi.
Marita Ruiter: Combien de temps avez-vous consacré à ce projet?
Roland Schauls: La partie consacrée au dessin m’aura pris 3 ans, y compris les interruptions. De plus, la composition des 42 blocs de 12 toiles était très laborieuse car je voulais disposer par la suite de multiples possibilités d’exposition.
Le travail concernant ce concept n’est d’ailleurs pas encore achevé, car je souhaitais laisser la possibilité aux futurs collectionneurs et indivisaires d’avoir voix au chapitre.
Marita Ruiter: Que signifient ces couches brunâtres, qui sautent aux yeux et ressemblent à de la cire, sur le tableau?
Roland Schauls: Des 800 portraits que j’ai peints initialement, environ 200 ont été détruits par la pose non maniable d’une épaisse couche opaque d’acrylique lors du moment d’application. Les croûtes brunâtres sont le résultat desséché de cette intervention, par laquelle j’ai souhaité symboliser de façon accélérée la mise en danger et la destruction aléatoire de nombreuses œuvres d’art dans le courant de l’histoire. Un aspect est la suppression virtuelle d’une œuvre en l’ignorant sciemment, tel que décrit par Sennet, l’autre aspect est la destruction physique, réelle, par le hasard fatidique.
Marita Ruiter: Sur base de quels critères avez-vous fait votre sélection parmi les plus de 1000 autoportraits de la galerie des Offices?
Roland Schauls: Dans le sens de ce que j’ai formulé auparavant, j’ai encore souhaité laisser agir le principe du hasard. Ce qui importait, c’est qu’il y ait un grand nombre de portraits, afin d’illustrer le caractère de collection et de remettre en question la prétention à l’unicité que chaque artiste voulait transmettre. En outre, le fait de juxtaposer sans commentaire ces portraits suspend le recours aux catégories usuelles de l’histoire de l’art. Cela permet ainsi à l’observateur de procéder à une nouvelle évaluation, libre de tout préjugé. De temps en temps, je me suis permis des petits jeux stylistiques ce qui irrite particulièrement les historiens de l’art, qui ont l’habitude d’utiliser les normes de datation traditionnelles de Wölflin.
Marita Ruiter: En somme une foire des vanités…
Roland Schauls: A vrai dire oui, et j’étais même suffisamment immodeste pour me glisser subrepticement parmi mes collègues peintres. A part cela, la synthèse de ces nombreux projets aboutit à un gigantesque autoportrait, soit la quintessence du genre autoportrait, l’autoportrait en soi.
Marita Ruiter: Cette oeuvre est-elle représentative pour le restant de votre travail artistique?
Roland Schauls: D’une certaine façon oui. Toute mon oeuvre artistique s’emploie à analyser à travers l’histoire de l’art des formes d’expression: quand une oeuvre fut-elle créée, de quelle manière et avec quelle intention? – et cela dans le sens le plus large, en appliquant les aspects fluides de la psychologie de la perception à la configuration bidimensionnelle du tableau. La „portrait society“ se différencie cependant par sa dimension, par son approche historique, ainsi que par son centre de gravité conceptuel. Par ailleurs, le fait qu'une partie du produit de la mise en indivision de l'oeuvre bénéficie à l’ a.s.b.l. „the portrait society“, une autre partie à la „Fondation du Grand- Duc Henri et de la Grande-Duchesse Maria Teresa“ en élargit l'ancrage socio-politique.
Marita Ruiter: Le tableau a trouvé dans l’Agora de l’Abbaye de Neumünster un endroit d’exposition idéal, aussi bien en ce qui concerne la dimension de l’œuvre qu’en termes de la vocation du CCRN.
Roland Schauls: Correct. Sur le tableau des artistes européens et de pays non européens se rencontrent, et ainsi il représente de façon idéale la mission du CCRN en tant que lieu d’échanges culturels internationaux. Pour les années à venir le tableau restera là, à quelques interruptions près. Il est cependant également prévu de faire voyager l’œuvre afin de l’exposer dans d’autres pays. Elle fut déjà exposée à Madrid et à Lisbonne, bien qu’en une configuration différente, car grâce à la composition de l’œuvre en 42 unités de 12 tableaux une multitude de configurations est possible. A Lisbonne, nous l’avons posée sur le sol. On pouvait soit l’observer sous tous les angles du haut d’une galerie, soit la contourner.
Dr. Marita Ruiter est galeriste et éditeur de cette publication |
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